Schulische Möglichkeiten für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Mit der Novelle zum Schulpflichtgesetz 1993 wurde der Begriff „Sonderschulbedürftigkeit“ durch „sonderpädagogischen Förderbedarf“ ersetzt. Sonderpädagogischer Förderbedarf im schulrechtlichen Sinne liegt vor, wenn ein Kind infolge physischer oder psychischer Behinderung dem Unterricht in der Volks- oder Hauptschule bzw. an der Polytechnischen Schule ohne sonderpädagogische Förderung nicht zu folgen vermag, aber dennoch schulfähig ist.
Zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs wird durch die Eltern, die Schule oder von Amts wegen ein Antrag an den Bezirksschulrat gestellt. Vorher sind jedoch möglichst alle anderen fördernden Maßnahmen wie Besuch der Vorschulklasse, Förderunterricht, Sprachheilunterricht, Klassenwiederholung, außerschulische Unterstützung usw. anzuwenden. Von den Schulen können auch Beratungslehrer/innen für lernschwache oder verhaltensauffällige Schüler/innen angefordert werden.
Über das Vorliegen eines sonderpädagogischen Förderbedarfs entscheidet der Bezirksschulrat aufgrund verschiedener Gutachten und Beobachtungsergebnisse. Beratungsgespräche begleiten das Verfahren. Auf Wunsch der Eltern kann der/die Schüler/in für den Zeitraum von bis zu 5 Monaten in eine Volks- oder Hauptschule bzw. in eine Sonderschule zur Beobachtung aufgenommen werden. Informationen bekommen die Eltern bei den Sonderpädagogischen Zentren, beim Bezirks- oder Landesschulrat oder bei der Schulpsychologie. Wenn bei einem Kind sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde, ist gemeinsam mit den Eltern zu entscheiden, welche Schule es besuchen soll. In Frage kommen entweder eine Sonderschule oder eine den sonderpädagogischen Förderbedarf erfüllende Volks- oder Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe (Integration).
Der sonderpädagogische Förderbedarf ist keine unveränderbare Größe oder Diagnose. Er kann im Laufe der Entwicklung eines Kindes reduziert, ausgeweitet oder auch aufgehoben werden. Auch Übertritte von einer Integrationsklasse in eine Sonderschule und umgekehrt sind möglich, müssen aber langfristig geplant und vorbereitet werden, die Beratung erfolgt durch das zuständige Sonderpädagogische Zentrum. 

Sonderschule

Um die unterschiedlichen Bedürfnisse behinderter Kinder zu berücksichtigen, gibt es verschiedene Sonderschularten, in denen eine gezielte Förderung durch speziell ausgebildete Lehrpersonen angeboten wird. Der Unterricht erfolgt in kleineren Schülergruppen nach eigenen Lehrplänen, die auf die jeweilige Behinderung abgestimmt sind. Sonderschulen mit ganztägiger Betreuung gibt es in allen Bezirken in Tirol (außer Reutte).

Arten

Sonderschulen sind je nach den örtlichen Erfordernissen als selbständige Schulen oder als Sonderschulklassen, die einer Volks- oder Hauptschule oder einer Polytechnischen Schule oder einer Sonderschule anderer Art angeschlossen sind, zu führen.

  • Allgemeine Sonderschule (für lernbehinderte Kinder)
in jedem Bezirk außer im Bezirk Reutte
Unterricht nach dem Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule, nach Möglichkeit auch nach den Lehrplänen der Volks- bzw. Hauptschule in einzelnen Unterrichtsgegenständen, wenn ohne Überforderung ein Erreichen der Lernziele erwartet werden kann.
Für Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf findet der Lehrplan der Volks- bzw. Hauptschule insoweit Anwendung, als erwartet werden kann, dass ohne Überforderung die Bildungs- und Lehraufgabe des betreffenden Unterrichtsgegenstandes grundsätzlich erreicht wird; im Übrigen findet der Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule Anwendung.
  • Berufsvorbereitungsjahr an Sonderschulen
mit einem eigenen Lehrplan (9. Schulstufe), kann an Sonderschulen bei ausreichender Schülerzahl eingerichtet werden
  • Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf
in jedem Bezirk außer im Bezirk Reutte
Sonderschule für körper- und mehrfachbehinderte Kinder - PSS Elisabethinum Axams
Zentrum für Hör- und Sprachpädagogik Mils
Landesblinden- und -sehbehindertenschule Innsbruck
Sondererziehungsschule (für erziehungsschwierige Kinder) - Sondererziehungsschule Fügen


Befreiung vom Schulbesuch

Wenn ein Kind infolge physischer und psychischer Behinderung auch durch den Unterricht an einer Sonderschule nicht gefördert werden kann, wird es von der allgemeinen Schulpflicht befreit. Eine Hauslernhilfe kann beantragt werden.

Höchstdauer des Schulbesuches

Der Besuch einer allgemeinbildenden Pflichtschule ist längstens bis zum Ende des Unterrichtsjahres des auf die Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht folgenden Schuljahres zulässig. Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind mit Zustimmung des Schulerhalters und mit Bewilligung der Schulbehörde erster Instanz berechtigt, eine Sonderschule zwei Jahre über diesen Zeitraum hinaus zu besuchen (maximal insgesamt 12 Schulbesuchsjahre).

 

Integration

Für den gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder sind je nach individuellen und örtlichen Gegebenheiten folgende Organisationsformen möglich:

  • Integrative Klasse:
Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden gemeinsam mit nicht behinderten Kindern nach unterschiedlichen Lehrplänen unterrichtet. Dabei kommt differenzierenden Unterrichtsformen im Teamteaching besondere Bedeutung zu.
Um das Prinzip des wohnortnahen Schulbesuches für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf umzusetzen, ergibt sich da und dort die Notwendigkeit des integrativen Unterrichts für einzelne Schüler/innen.
  • Kooperative Klasse:
Volksschul- oder Hauptschulklasse bzw. Polytechnische Schule und Sonderschulklasse bleiben grundsätzlich als organisatorische Einheit bestehen. In bestimmten Stunden findet der Unterricht gemeinsam mit den nicht behinderten Kindern statt.

Auskünfte

Landesschulrat für Tirol, Referat VII/1 Sonderpädagogik
6020 Innsbruck, Innrain 1
Tel. (0512) 520 33-216, Fax (0512) 520 33-342
Leitung: LSI Mag. Dr. Ingrid Handle
E-Mail: i.handle@lsr-t.gv.at
Für alle pädagogisch-administrativen Angelegenheiten der Sonderschulen und Sonderschulklassen sowie des heil- und sonderpädagogischen Unterrichts an allgemeinbildenden Pflichtschulen einschließlich der einschlägigen Privatschulen und öffentlichen wie privaten Schülerheime.

Landesschulrat für Tirol, Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung
6020 Innsbruck, Südtiroler Platz 10-12/5. Stock
Tel. (0512) 52033-540
Leitung: HR Dr. Brigitte Thöny
E-Mail: schulpsy@tsn.at
Vertretung der psychologisch-pädagogischen Belange im Bereich des Landesschulrates

Sonderpädagogische Zentren (an den Sonderschulstandorten)
(siehe SPZ-Datenbank)

Beratungseinrichtungen für Menschen mit Behinderung

 

Stand: Oktober/Dezember 2009 / April 2014 / Juni 2015